Schöner fremder Mann


Diverse erzieherische Maßnahmen und Weltsichten haben es leider verhindert das ich mit einem Gardemaß von 1, 77 und meiner großzügigen Wahl an Essbarem zur Stewardess oder Model wurde.Aber doch erkannte man in mir das ich in der Öffentlichkeit stehen sollte,denn ich wurde Verkäuferin. Obschon ich eine riesige Schüchternheit gegenüber Fremden besaß, mußte ich schon schnell das Schauspielern erlernen.. Den ersten Tag im Verkaufsraum, nachdem ich wochenlang im Lagerkeller Schuhe ausgepackt,Kartons gestapelt und ausgepreist hatte, kam auch sogleich eine Feuerprobe. Man stellte mich ab an einen Strumpfständer, wo ich die Verpackungen Stück für Stück sorgsam mit einem Staubtuch abwischen sollte. Plötzlich hörte ich hinter mir eine angenehme Männerstimme: „Entschuldung Fräulein, sagen Sie haben sie die Netzstrümpfe auch in schwarz?“ Ich drehte mich um und sah vor mir einen kleineren blonden Mann. Mir verschlug es erst die Sprache, denn ich wußte das ich nun absolut nichts Falsches sagen darf und möglichst nett und professionell sein mußte, so das meine Kolleginnen im Lager ( lauernd hinter Gardinen) stolz auf mich sein mußten.. Ich fragte mich nicht „wieso?“ sondern „wo sind jetzt möglichst schnell schwarze Netzstrümpfe, damit ich ihn wieder los werde..“
Wir hatten nur knallrote! Was mir die Frage aufdrängte: „Wieso das denn?“ Nun gut, ich schaute ihm mit Bedauern in die Augen, und erklärte das ich ihm leider keine schwarzen Netzstrümpfe bieten kann.
Obgleich ich aus einem Elternhaus komme, das sich niemals darum kümmerte wie sich meine Sexualtiät entwickelte,war ich doch weltoffen erzogen und die Nachbarn unter uns waren ein schwules Päärchen, die mir meinen Krach, den ich als Teenie machte immer verziehen, obwohl eines Tages fast der Kronleuchter von der Decke fiel , weil ich zu Aerobicübungen rumhopste.
Niemals zuvor hatte ich mir über Homosexuelle negative Gedanken gemacht .
Ich habe lange gesucht in meinen Leben nach einem Partner und ich hatte oft eigenwillige Leute , die in einem völlig anderen kulturellen Kontext standen als ich und ich war fast überall der Mitläufer.Es war aufregend , aber besonders schön sahen die Typen trotzdem nicht aus.

Meine erste richtige( deutsche) Beziehung war zu einem extremen  ADHS Mann, der die schönsten blauen Augen hatte, die ich je sah.Auch die geduldigste Frau und Mentorin konnte ihn auf Dauer  nicht halten. Ich wußte nun endlich was es heißt richtig hektisch, abendteuerlustig und pessimistisch  zu sein.Ich weiß dadurch nun was reaktiv, impulsiv und revolutionär conträr heißt..So schöne blaue Augen..pfff

So ist es dann auch völlig klar gewesen, das als ich einen deutschen, extremst langweiligen Lebenspartner bekam, er mit mir mitlief und sich absolut nicht einfand in mein Lebensbild. Obgleich ich ihn dafür liebte( es war ja sowas von ANDERS!) stelle ich fest, das mir immernoch dieses innere Bild vom schönen „fremden“ Mann in mir lag..

Und auch diesmal hatte ich plötzlich eine Offenbarung durch einen Kollegen.Für mich eine neue Erfahrung, denn stattdessen ich nun befürchten musste das er sich in mich verliebte und irgendwelche subtilen manipulativen Annäherungen beginnt, die ich noch nie leiden konnte,  denn  er war  schwul.

Und mit keinen anderen Mann konnte ich endlich ICH sein.Ja auch nicht im Beisein irgendeiner Freundin konnte ich ICH sein, denn da gab es immer dieses gegenseitige “ Aufpassen“ oder eine seltsame Stutenbissigkeit, die mir eben völlig abhanden gekommen sein muß in meiner Erziehung, denn ich bin ein Augenmensch und finde die meisten Männer nicht so delikat, um in Konkurrenz zu leben.Also wurden neben der Partnerschaft fast alle männlichen Freundschaften schwul und wunderschön!

Ich muß wirklich meine Naivität ablegen, aber es ist so dermaßen befreiend sich nicht wieder rumzuplagen mit der Angst das in nächster Nähe ein hässlicher Typ lauert , um einen plump anzumachen…

Nein, es kam viel schlimmer..Zum ersten mal fühlte ich mich auf einem Terrain wohl und liess die “ Sau“ raus.Wenn ich mit meinen Freunden über den Christopher Street Day ging, dann soff ich und küsste mich wild durch die Gegend.

Ja! Ich bin eine Frau, aber alle waren so betrunken, das ich endlich SCHÖNE Männer küssen durfte.Ich ging aber immer , wenn ein bestimmter Level erreicht war nach Hause, wobei mein Freund sich etwas für mich schämte und die Kerle nicht mehr los wurde.

Wenn ich in Begleitung meiner schwulen Freunde war, mutierte ich zum „schwulen Mädchen“ und baggerte und flirtete unverschämt die Männer an..

Als es mir  mal schlecht ging nach einer Alkoholdosis fragte ich nach einer Zigarette und fing an denjenigen in ein Gespräch zu verwickeln.. Ich heulte ich mich an einer fremden Männerbrust aus( der war aber alt und eher wie ein guter Onkel)und fragt mich nicht, was mit mir los war.. Ich soff weiter.Das war  wohl durch meine Trennungsphase mit meinem Freund.

Ich fühlte mich durch die Anwesenheit eines Schwulen absolut sicher  und ich bemerkte das ich im angetrunkenen Zustand sogar einen Typ in der UBahn anquatschte  und über die Farbe seiner Haustiere mich erstaunte( es waren irgendwelche Schlangen).. Der Typ  sicherte mir irritiert in einem Nebensatz zu, das SEINE Freundin auch eine Schlange besitzt und diese nur noch ins Bett nimmt..Herr Freud hätte seine Freude an diesem Abend gehabt.Mein kultivierter schwuler Freund schüttelte nur lachend den Kopf.

Apropos Kultiviert.. es sollte mir zu denken geben, das mein Benehmen wohl letztendlich dazu führte das ich in schwule Puffs mit Darkroom verschleppt wurde und auch dort bewegte ich mich mit Sicherheit zur Bar um mir einen Drink zu bestellen., nur der hielf mir auch nicht mehr, denn der Abend und meine Illusion wurde zerstört mit den Pornos , die im Fernseher liefen..

Ich habe diese Zeit genossen , aber ich bin immernoch Single und meine Freundschaften zum weg gehen haben sich auch nicht gerade gebessert. Es gibt nur ein paar Leute in meinem Alter, die sich darauf versteift haben entweder Single zu bleiben oder männlich und hetero sind, was mich nun denn nicht gerader froh macht, denn ich trinke nicht mehr und fühle mich höchst unsicher in dieser Gegenwart…

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